#1 Religiöse Bilder mit Mouches volantes?? von Floco 05.09.2007 11:10

Hallo miteinander!

In diesem Thread soll eine Sammlung von Darstellungen der religiösen Kunst entstehen, die visuelle Hinweise auf MV enthalten.

Die Religionen haben den Schamanen, Visionären und Mystikern zu allen Zeiten und in allen Kulturen bei der Interpretation von subjektiven visuellen Erscheinungen geholfen: Visionen sowie die Wahrnehmung von Lichtern und abstraken Strukturen konnten so mit Hilfe einer religiösen Lehre erfasst und verarbeitet werden - gerade auch bildlich verarbeitet, wo wir die visuelle subjektive Erscheinung oft vermischt mit den Glaubensinhalten der betreffenden Religion erkennen.

Die Interpretation, ob wir es bei diesen Darstellungen tatsächlich mit MV zu tun haben, ist zwar nicht eindeutig zu beantworten. Bei manchen Bildern könnte es sich auch um andere entoptische Erscheinungen handeln (z.B. die geometrischen Formkonstanten, die bei halluzinatorischen Erlebnissen oder Migräne-Attacken auftreten). Oder der Künstler/die Künstlerin hatte ganz anderes im Sinn als subjektive visuelle Erscheinungen.

Wenn wir uns aber fragen, woher die Motive für die nachfolgenden Darstellungen kommen, sind entoptische (Licht)Erscheinungen "einleuchtende" Kandidaten für die Antwort.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich gleich nochmals auf die Galerie auf meiner Webseite verweisen, wo solche Bilder z.T. schon drin sind:

http://www.mouches-volantes.com/gallery/gallery.php

oder direkter:

http://www.mouches-volantes.com/gallery/gallery-popup.htm


Floco
#2 Re: Religiöse Bilder mit Mouches volantes?? von Floco 05.09.2007 11:11



Dies ist eine Darstellung aus dem Jainismus. Diese Kugeln mit Kern und Umkreis, die wie die Kugeln der MV aussehen, stellen die Fahrzeuge (vimanas) von verschiedenen astralen Gottheiten dar.

Interessant ist zudem, dass diese astralen und planetarischen Gottheiten (Mond, Sonne, verschiedene Planeten) in ihrer Beschreibung viele Ähnlichkeiten zu den MV aufweisen (siehe Link).

Könnte diese Darstellung durch die Beobachtung von MVs inspiriert sein?

Link: http://www.mouches-volantes.com/news/newsnovember2006.php

Floco
#3 Re[2]: Religiöse Bilder mit Mouches volantes?? von Floco 05.09.2007 11:12



Das Bild zeigt eine Sequenz aus einer Yajé-Vision eines Tukano (Barasana-Gruppe, eine Gruppe von Indianer am südamerikanischen Amazonas). Schamanen dieser Gruppe sind für ihre visionäre Kunst bekannt, die im Anschluss an ihre halluzinatorischen Erlebnissen entsteht.

Tukano-Schamanen berichten, dass sie während veränderten Bewusstseinszuständen endlose Ketten leuchtender Punkte sehen – ein Hinweis auf die MV und ihre Leuchtfähigkeit.

Für die Barasana haben diese entoptischen Erscheinungen eine so überragende Bedeutung, dass sie die Basis bilden nicht nur für die Kunst, sondern auch für die Klassifizierung der Natur sowie für soziale Regeln bis hin zu Körperbewegungen.

Floco
#4 Re[3]: Religiöse Bilder mit Mouches volantes?? von Floco 05.09.2007 11:13



Es ist bezeichnend, dass die visionäre religiöse Kunst häufig abstrakte Formen aufweist. Manche Archäologen und Anthropologen vertreten die Ansicht, dass es sich um entoptische Phänomene handelt, die in veränderten Bewusstseinszuständen vermehrt und deutlich in Erscheinung treten. Im Fall von Hildegard von Bingen (1098-1179), der deutschen Benediktiner-Mystikerin, wird zudem häufig die These vertreten, dass die Formen ihrer Visionen durch Migräne hervorgerufen worden seien.

Wenn wir schon beim Spekulieren sind: Die bildlichen Darstellungen von Hildegards Visionen lassen vermuten, dass die Mystikerin in ekstatischen Zuständen das Phänomen der MV deutlich gesehen und es teilweise mit Visionen von Christus überlagert hat. Dies wäre jedenfalls eine Erklärung für diese doppelmembranige Kugelfigur – die natürlich im christlichen Sinne ergänzt und interpretiert wurde, nämlich als triadische Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Es ist die zweite Vision im zweiten Buch des Scivias-Codex. Das dreieinige Wesen der Gottheit erschien Hildegard als ein „überhelles Licht und darin eine saphirblaue Menschengestalt, die durch und durch im sanften Rot funkelnder Lohe brannte.“

Floco
#5 Re: Religiöse Bilder mit Mouches volantes?? von Floco 28.11.2007 18:45


Giovanni di Paolo: Vertreibung aus dem Paradies, 1445, Holz, 45 x 52 cm

Früher war alles besser, das weiss man ja. Früher wars sogar paradiesisch, das weiss die Bibel – und so könnte es heute noch sein, hätten doch Adam und Eva ihre Verpflegung mit ein bisschen mehr Rücksicht auf die nachfolgenden Generationen gewählt. Aber das war anscheinend schon damals nicht „in“, und so dürfen wir den folgenschweren Fauxpas heute „im Schweisse unseres Angesichts“ ausbaden. Kein Wunder, versuchten Generationen von Künstlern diese Ungeheuerlichkeit inszenierend zu begreifen, so z.B. der italienische Maler Giovanni di Paolo (1403 (?)-1482). Seine Werke, stilistisch zwischen Gotik und Renaissance, gelten als geheimnisvoll und visionär. Dies trifft zumindest auf die Szene in „Vertreibung aus dem Paradies“ zu: In flagiranti erwischt, werden unsere Vorfahren in die Steinwüste verbannt, die sich inmitten eines aus konzentrischen Schichten bestehenden Kreisgebildes auftut. Nun werden uns eine Legion von Theologen und Historikern klarmachen, dass es sich dabei um das mittelalterliche geozentrische Weltbild handelt: Die Erde in der Mitte, umkreist von Sonne, Mond, den fünf Planeten, den Fixsternen, dem „Beweger“ Primum mobile, und dem obersten Himmel, dem Empyreum. Optisch jedoch hat diese neun-sphärige „Scheibenwelt“ Tiefeneffekt und es ist denkbar, dass dem Künstler gleichzeitig ein Tunnel vorschwebte, der unsere Welt mit dem Paradies verbindet, und der, wenn er gefunden wird, wieder dorthin zurückführt. Der Seher Nestor jedenfalls sieht in den Mouches volantes solche Verbindungen und spricht davon, dass wir unsere „Quelle“, eine tunnelartige Kugelreihe in der Leuchtstruktur, zu Lebzeiten finden und in sie eingehen können. Was uns am anderen Ende des Tunnels erwartet, ist ungewiss und wird von jeder Religion anders beschrieben und vorgestellt.
#6 Re: Religiöse Bilder mit Mouches volantes?? von Floco 09.03.2008 20:50


Rembrandt Harmensz. van Rijn: Faust, um 1652 (Radierung, 21,2 x 16,2 cm)

Aus dem Text "Mehr sehen" von Dr. med. H. Völkner:

"Soweit ich es erkennen kann, blickt die Gestalt auf dem Rembrandt‘schen Bild auf eine leuchtende "Erscheinung" und sehr viel schwächer erkennt man darunter eine linke Hand, die einen Spiegel hält, dazu eine rechte, die auf etwas hinweist, was man darin sehen kann. Links neben dem Fenster, vor dunklem Hintergrund, zeichnet sich etwas ab, was gleichfalls nicht materieller sondern geistiger Natur zu sein scheint. Die Art der Darstellung verrät, dass auch Rembrandt mit dem Dritten Auge sehen konnte.

Insgesamt gibt dieses Bild einen guten Eindruck davon wieder, wie bei beschränkter Lichtzufuhr unsere Geistige Welt mit mancherlei Erscheinungen sichtbar wird. Es sind ausdrücklich nicht solche Dinge, die manch einer erwarten würde. Keine Geister von Verstorbenen also oder ähnliche Erscheinungen aus dem Jenseits, sondern reine Energien sind es, die dann sichtbar werden. Sie sind in Vorgänge eingebunden, die intelligent und unglaublich schnell ablaufen. Der Betrachter kann solche Vorgänge selbst initiieren oder auch in sie eingreifen und schliesslich mit Erstaunen erfahren, wie sich offenbar alles in dieser Welt geistig anstossen und in Bewegung setzen lässt."

Siehe die News vom März 1/08: http://www.mouches-volantes.com/news/news.htm
#7 Re: Religiöse Bilder mit Mouches volantes?? von Floco 09.03.2008 20:55


Justine Felix: ICH BIN – Freude der LIEBE (Mischtechnik, Acryl auf Leinwand, 100 x 100 cm)

Malen als Akt der Transformation: Wenn Justine Felix malt, hält sie visionäre Eindrücke fest, die als kosmische Schwingungen oder zeitlose Energien durch sie hindurch fliessen. Entsprechend versteht die Künstlerin aus Mannheim ihre Werke als Energie- oder Seelenheilungsbilder, die, wenn darüber meditiert, Zugang zum Verborgenen gewährleisten und einen Prozess der Heilung und der Bewusstseinsentwicklung in Gang setzen sollen.

Das Bild „ICH BIN“ setzt konkrete und abstrakte Formen in eine träumerische Wechselwirkung. Ein weibliches engelhaftes Wesen ist in eine wellenartige Umgebung gebettet. Ihre äusseren Erscheinungen, Haar und Kleidung, gehen sanft in zwei Wirbel über. Dabei betrachtet sie drei klar hervorstechende blaue Kugeln, die in einer doppelten Verbindung mit ihr stehen: Zum Einen beobachtet sie die Kugeln mit ihren ebenfalls tiefblauen Augen; zum Anderen scheint sie sie aus ihrer Hand emporsteigen zu lassen. Zentral in allen drei Dimensionen ruht die grosse doppelmembranige Kugel; in der Mitte des Bildes und teilweise das Geschehen verdeckend, teilweise von ihm verdeckt, IST sie, unberührt von allem, still.

Wie beim Sehen der Mouches volantes ist das Verhältnis von Betrachterin und den leuchtenden Kugeln kein physisches, sondern ein inner-sinnliches. Keine der Kugeln wird berührt, der Austausch erfolgt über eine Verbindung von Sehen und Fühlen, dargestellt durch Augen und Hand. Dieses fühlende Sehen ist der Wille der Betrachterin, die fliegenden Kugeln auf einer energetischen Ebene zu beeinflussen – hin zu jener Einswerdung vielleicht, die auch die Seher mit den Mouches volantes zu verwirklichen suchen.

Siehe News vom März 1/08: http://www.mouches-volantes.com/news/news.htm
#8 Re: Religiöse Bilder mit Mouches volantes?? von Floco 08.08.2008 15:56



Quelle: Simeon Artschischezi und die "Ausgiessung des Heiligen Geistes". Buchminiatur, 1305, 30 x 23,5 cm.

Pfingsten ist das abschliessende Fest des Kirchenjahres und zugleich der Abschluss der wichtigsten Ereignisse für die Christen. In der Apostelgeschichte wird das Pfingstereignis als Vision von sich "zerteilenden Feuerzungen" beschrieben (Apg 2.1-3).

Diese Beschreibung deutet auf aussergewöhnliche Wahrnehmungen hin, wie sie in veränderten Bewusstseinszuständen auftreten. Die Vision von „sich zerteilenden Feuerzungen“ kann auch abstrakter beschrieben werden: Das griechische Wort pur bedeutet nicht nur „Feuer“, sondern auch „Licht“, „Helligkeit“ und „Blitz“. „Zerteilte“ (diamerizo) bzw. gespaltene „Zungen“ (glossa) lässt sich auch als zungenförmiges Gebilde deuten, oder auch als eine oder mehrere längliche verästelte Form(en). Ein solches verzweigtes oder geteiltes Lichtgebilde könnte auf Phosphene oder Mouches volantes hinweisen.

In der bildenden Kunst fallen die Darstellungen der Pfingsterscheinung ebenfalls abstrakter oder weniger abstrakt aus. Aus unserer Sicht lässt sich das obige Bild als eine Mischung aus entoptischer Wahrnehmung und der daraus abgeleiteten Weltanschauung verstehen: Wir alle werden aus einer singulären Kugel, unserer „Quelle“ bzw. dem Geist Gottes, durch Energie genährt. Je näher wir an dieser einen Kugel sind, desto reiner (geistiger, weniger materiell verdichtet) ist die Energie, die wir von ihr enthalten; der Austausch ist ungehinderter, wir erleben Ekstasen und intuitive Einsichten direkter und intensiver. Und vor allem: Wir können die Kugel direkt sehen. Einzig die Tatsache, dass alle auf dieselbe Kugel blicken und den Heiligen Geist (die Energie) aus derselben Kugel empfangen, stimmt nicht mit unserer Vorstellung einer zwar von allen Wesen geteilten, aber nicht-hierarchischen, dezentralen Bewusstseinsstruktur überein, wo jeder sein eigenes Zentrum hat und sehen lernt.


Siehe News 2/08: http://www.mouches-volantes.com/news/news.htm

#9 Re: Religiöse Bilder mit Mouches volantes?? von Floco 10.12.2008 19:16

Spirituelle Kunst mit entoptischen Phänomenen – „Erscheinung am Himmel über Nürnberg“ von Hans Glaser



Hans Glaser: Erscheinung am Himmel bei Nürnberg am 14. April 1561, 1561, Holzschnitt, 30,5 × 33 cm.


Aussergewöhnliche Erscheinungen am Himmel haben die Menschen seit jeher beeindruckt. Den meisten Menschen im frühneuzeitlichen Europa galten sie als Störung der ewig gleichbleibenden göttlichen Ordnung des Kosmos. Sie konnten daher nur durch Gott selbst verursacht sein. Gott setzte Zeichen in den Himmel, so stellte man sich vor, um die sündigen Menschen zu ermahnen. ...

Weiterlesen auf:
http://www.mouches-volantes.com/news/newsoktober2008.htm#6

#10 Re: Religiöse Bilder mit Mouches volantes?? von Floco 10.12.2008 19:18

Spirituelle Darstellung von entoptischen Phänomenen – Enso von Kanjuro Shibata



Kanjuro Shibata: Enso, Kalligraphie, ca. 2000.


Enso, der „Kreis“, ist eines der häufigsten Themen der japanischen Kalligraphie und auch im alltäglichen Japan weit verbreitet. Dicke oder dünne Kreise, offene oder geschlossene, exakte oder schwungvoll verzerrte, leer oder mit Symbolen gefüllt: In zahlreichen Variationen symbolisiert der Enso die Erleuchtung und das Dasein im Moment, aber auch Kraft, Eleganz, das Universum und die Leere. Der Enso wird stark mit dem Zen-Buddhismus in Verbindung gebracht. Hier ist er ein beliebtes und heiliges Motiv, und viele zen-buddhistische Künstler gebrauchen die individuelle Enso-Darstellung als eine Art Unterschrift für ihre religiöse Kunst. ...

Weiterlesen auf:
http://www.mouches-volantes.com/news/newsdezember2008.htm

#11 Re: Religiöse Bilder mit Mouches volantes?? von Floco 18.07.2009 11:35


Pierre Woeiriot, Adam und Eva im Paradies, 1560-1580, 17,9x22, Kupferstich.

Der Franzose Pierre Woeiriot (1532-1596) zählte zu den so genannten Kleinmeistern, eine Gruppe von Künstlern des 16. Jh., die sehr zarte und detaillierte Arbeiten, v.a. Kupferstiche, in kleinen Formaten anfertigten. Der Kupferstich „Adam und Eva im Paradies“ ist einer von mehreren Darstellungen des Alten Testaments, die Woeiriot um 1560 begann und 1580 veröffentlichte.

In „Adam und Eva im Paradies“ wird Gott in Form einer hellen Kugel dargestellt, die mit den hebräischen Lettern JHWE (= Jahwe, Gott) beschriftet ist. Dass das Göttliche bzw. „Heilige“ in Kreis- oder Kugelform erscheint, ist in der darstellenden Kunst verbreitet und beschränkt sich nicht auf das Christentum oder auf Europa (siehe Newsletter 2/2008, 4/2008, 3/2007, 4/2007). Das Interessante an dieser Darstellung ist die sichtbar gemachte Verbindung von Gott und Mensch. In der biblischen Genesis heisst es hierzu: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“ (Gen 1.27). Konkreter wird Gen 2.7: „Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen“.

Diese Schöpfungsvorstellungen weisen Parallelen zur Ansicht der Seher auf, dass wir an einer bestimmten Kugel in der Leuchtstruktur „angenabelt“ sind. Aus dieser Kugel heraus haben wir uns vom reinen Bewusstsein zur verkörperten Person entwickelt. Der von den Sehern gelehrte „Weg in der Leuchtstruktur“ ist nun der umgekehrte Schöpfungsvorgang, insofern wir uns bemühen, zu dieser einen Kugel zurückzufinden. Diese Vorstellung basiert auf der visuellen Erfahrung einer Seherin oder eines Sehers, dass er oder sie in intensiven Bewusstseinszuständen auf eine ganz bestimmte Kugel in der oberen linken Hälfte des Bildes (wie auch auf dem Bild von Woeiriot dargestellt) zugeht. Diese eine Kugel, von den Sehern „Quelle“ genannt, ist gleichzeitig auch ein Kugelschlauch bzw. eine Röhre, insofern sie sich auf jeder Bewusstseinsschicht erneut abbildet. Das abstrahlende Licht der „Quelle“ empfinden sie Seher als nährendes Bewusstseinslicht, in der Bibel „Odem“ genannt.

Das in der Genesis genannte „Ebenbild“ Gottes würde aus einer seherischen Perspektive bedeuten, dass der Mensch in Wirklichkeit eine leuchtende Kugel ist, sei es eine „männliche“ (innen hell, aussen dunkel) oder eine „weibliche“ (innen dunkel, aussen hell). Im Bild von Woeiriot ist dies durch den grossen Nimbus (Heiligenschein) angedeutet: Nicht in unserem personhaften und verkörperten Wesen sind wir Gottes Ebenbild, sondern in unserer energetischen Ausstrahlung bzw. in unserem reinen Bewusstsein.

#12 Re: Religiöse Bilder mit Mouches volantes?? von Floco 30.11.2009 15:07


Geburt Christi. Ikone aus dem Watoped-Kloster auf Berg Athos (Byzanz), 14. Jh

Die uns allen wohlbekannte Weihnachtsgeschichte wurde im orthodoxen Christentum in vielfältiger Weise auf den Heiligenbildern, den Ikonen, dargestellt. Interessant ist, dass die meisten dieser Bilder Gott als eine Kugel darstellen, aus welcher Lichtstrahlen auf die von Gott gesegneten Geschöpfe ausgehen. Dies scheint ein in der christlichen religiösen Malerei durchgehendes Motiv zu sein, ähnliche Darstellungen Gottes und der Aussendung seines Lichts finden sich auch in der westeuropäischen Kunstgeschichte (vgl. Die “Bilder des Quartals” im Newsletter 2/08 und 2/09). Auch in der oben dargestellten Ikone aus dem mittelalterlichen Byzanz finden sich die Elemente, die die Seher in der Leuchtstruktur des Bewusstseins sehen können. ...

Weiterlesen auf: http://www.mouches-volantes.com/news/news.htm#4

#13 Re: Religiöse Bilder mit Mouches volantes?? von Floco 19.06.2010 09:32


Shanta (Justine Felix): „Neue Erde – Fülle“, Mischtechnik, Acryl auf Leinwand, 200x200 cm (Quelle)

Wenn sich göttliche Liebe in Form und Farbe zeigt, sieht dies auch so aus wie auf dem Bild “Neue Erde – Fülle” von Shanta. Für die Heilerin, Lebensberaterin, Buchautorin und Künstlerin aus Mannheim ist Malen ein Akt der Kommunikation mit dem Göttlichen. Durch die meditativ-mediale Verbindung zu jenen positiven Energien vermag sie Bilder von sanfter Schönheit zu schaffen, die die Betrachter einladen, sich ihrer harmonisierenden und heilenden Wirkung zu öffnen.

Das Seelenheilungsbild “Neue Erde – Fülle” vermittelt diese Harmonie auf mehreren Ebenen. Der Titel „Neue Erde – Fülle“ verweist auf eine frühe Phase des göttlichen Schöpfungsprozesses, in der Reinheit, Intensität, Harmonie herrschten, Fülle eben. Die vier Teilbilder thematisieren die vier Elemente Erde, Luft, Feuer und Wasser (von oben links im Uhrzeigersinn). Es sind die ursprünglichen, jungfräulichen Kräfte der Erde, die sich erst miteinander zu vermischen beginnen, um gemeinsam die Erde hervorzubringen – eine höhere Stufe auf dem Weg zurück zum All-Einen. Vier weibliche Engelswesen transformieren dabei die göttliche Kraft in die irdischen Elemente und verkörpern so die Verbindung von göttlicher Schöpfung, heiligem Geist und irdisch-menschlicher Existenz. Im Erdelement scheint die Fülle der rotbraunen, erdhaften Engelshaare die Früchte und Blüten der Erde zu nähren. Der Luftengel entlässt den Wind aus seinen Haaren und verteilt ihn, erwärmt durch die Sonnen, per Flügelschlag in die Welt. Die überirdisch schöne Feuersfrau entzündet durch ihr Strahlen das Feuer der Welt im Kugelherd der Erde. Die Frau aus dem Meer erzeugt und bewegt die Wasser durch ihre Hingabe an die ursprüngliche Meeresblase.

Wie auf anderen Bildern von Shanta ( vgl. News 1/2008 ) harmoniert das konkrete Weibliche mit abstrakten Kugelgebilden (ein abstraktes Männliches?). Die Kugeln können als Ursprung und als Energie verstanden werden, mit welcher die Engel ihre Arbeit verrichten. Die Kugel im Zentrum ist der Ursprung aller Elemente und gleichzeitig Teil von ihnen. Sie emaniert zu konkreteren elementgebundenen Kugelgebilden, zu Kugelwolken und Sonne im Erdelement, zu Gestirnen im Luftelement, zu Gaskugeln im Feuerelement, und zu Wasserblasen im Wasserelement. Oft weisen die Kugeln mehrere konzentrische Ringe auf. Damit ähneln sie den Kugeln der Leuchtstruktur, die nach der Vorstellung der Seher im Schöpfungsprozess die Rolle der Grundstruktur und Energieverteilung spielen. Auch durch die Farbwahl des Gesamtbildes ergibt sich ein Zusammenhang zur „inneren visuellen Leinwand“: Die dominierenden Farben Rot, Gelb und Blau sind die Farben der Nachbilder, der Phosphene und des Traums. „Neue Erde – Fülle“ harmoniert daher nicht nur auf den Ebenen des Intellekts, des Gefühls und der Sinne, sondern auch auf der Ebene des inneren Sinns. Möge das Bild in seinen Betrachtern Einsicht und Offenheit erwirken.

Link:
- Shanta-Zentrum. Praxis für ganzheitliches Heilen.
www.shanta-zentrum.de
#14 Re: Religiöse Bilder mit Mouches volantes?? von Floco 13.12.2010 19:40


Pektorale von König Sesostris II. Gold und farbige Steine (ca. 5 cm hoch). (Rachewiltz, 1959, Fig. 93)

Die Sonne in der ägyptischen Kunst

Die antike ägyptische Hochkultur hinterliess der Nachwelt unermessliche Schätze an Schmuck, Inschriften, Malereien, Skulpturen und vieles mehr. Sie erzählen über die Lebenswelt, den Götterglaube, über Mythen, sowie Ordnungs- und Jenseitsvorstellungen der Menschen im Nilland vor zwei- bis fünftausend Jahren. In diesen Hieroglyphen und Darstellungen lassen sich immer wieder abstrakte Zeichen erkennen, die den Strukturen der Mouches volantes ähneln. Was, wie auf dem obigen Brustschmuck, als doppel- oder mehrmembranige Kugeln dargestellt wurde, repräsentiert nach Ansicht der Ägyptologen die Sonne.

Als Lebensspenderin, Schöpfergottheit, Kämpferin gegen Finsternis und Dämonen, spielte die Sonne im religiösen Leben vieler Ägypten sowie im Staatskult eine bedeutende Rolle. Diese abstrakte, sich in Umkreis und Kern aufteilende Kugelgestalt erscheint in der ägyptischen Kunst jedoch in vielerlei Kombinationen: Sie ist Begleiterin vieler tier- und menschengestaltigen Gottheiten, wird von Kobras umhüllt und bewacht, von Barken über den Himmel gefahren, vom Mistkäfer (Skarabäus) Chepri über den Morgenhimmel gerollt, mit Flügel versehen (Horus).

Soll diese häufig zu sehende Kreisfigur tatsächlich die Sonne darstellen? Wenn ja, ist das Symbol der doppelmembranigen Kugel tatsächlich durch die Sonne inspiriert, oder könnten hier andere Wahrnehmungen und Assoziationen gewirkt haben? Auffällig ist, dass die Kreise mit Doppel- oder Mehrfachmembran auch in der schamanisch geprägten Kunst „Himmelskörper“ darstellen sollen (News 2/10: Lichter in der Anderswelt), in deren ektstatischen Ritualen entoptische Phänomene erzeugt wurden. Könnte die Darstellung eines entoptischen Phänomens wie den Mouches volantes durch schamanischen Einfluss auch in die alte ägyptische Kunst eingeflossen sein?

Mehr dazu im Hauptartikel „Im Auge des Re“ (Newsletter 4/10: http://www.mouches-volantes.com/news/news.htm)
#15 Re: Religiöse Bilder mit Mouches volantes?? von Floco 13.12.2010 19:57


Wandbemalung eines Bará Maloca (Langhaus), Pirá-paraná (Vaupés, Kolumbien). Quelle: Reichel-Dolmatoff, 1975.

Die darstellende Kunst ist in den oft schriftlosen schamanischen Gesellschaften ein wichtiges Ausdrucksmittel. Die Malereien, Schnitzereien und Gravierungen auf Wänden, Alltagsgegenständen, Waffen, Musikinstrumenten und Schmuck widerspiegeln die indigenen Vorstellungen über die kosmische, die natürliche und die soziale Ordnung. Unter den Motiven befinden sich oft Kreisgebilde, die der Struktur der Mouches volantes ähneln – einiges spricht dafür, dass die Punkte und Fäden in der Welt sibirischer und südamerikanischer Schamanen eine spirituell-ekstatische Bedeutung erfahren haben.

Mehr dazu im Artikel "Lichter in der Anderswelt. Mouches volantes in der darstellenden Kunst moderner Schamanen" (http://wedismus.ning.com/group/Schamanismus/forum/topics/lichter-in-der-anderswelt)
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