#1 Mouches Volantes und Siddhis? von aries 11.12.2008 15:25

Siddhis nennen Yogis das Erlangen von Fähigkeiten, die sich den normalen Sinnen erheben wie Hellsichtigkeit, Hellhörigkeit, Hellfühligkeit aber auch Teleportation, Bilokation etc.

Ein Hirnforscher und Soundhealer, der sich auf dem Gebiet der Wissenschaft zum einen und auf spiritueller Ebene zum anderen bewegt und beide "Disziplinen" verbindet in dem er spirituelle Prozesse aus Sicht des Gehirns betrachtet aber durchaus gerne und bewusst das wissenschaftlich anerkannte Terrain überschreitet, ist Tom Kenyon. Ich schätze seine Arbeit sehr und seine Erkenntnisse sind für mich phänomenal und Bewusstsein-erweiternd; sein Sound Healing ist sehr transformierend und tiefgreifend.

Ein Artikel befasst sich mit Siddhis und ich werde das Gefühl nicht los, Mouches Volantes in diesen Kontext zu betrachten. MV als eine Stufe der Siddhis, die man unter bestimmten Bedingungen erlangt.

Was meint ihr?

Unter http://tomkenyon.com/siddhis/ kann der Artikel - auf Englisch - gelesen werden
#2 Re: Mouches Volantes und Siddhis? von Floco 26.12.2008 20:26

Ciao Aries,

Danke für den Hinweis auf die Siddhis, ein sehr interessantes und sagenumwobenes Thema.

Ich habe den Artikel von Tom Kenyon (den ich bisher nicht kannte) gelesen. Ein guter Text, wo sich Theorien, eigene Erfahrungen und Anekdoten abwechseln. Empfehlenswert.

Zunächst zu den Siddhis: Das Sanskrit-Wort "siddhi" heisst "gut, perfekt, vollkommen, erfolgreich" und bezeichnet sowohl weltlichen wie spirituellen Erfolg. Wir im Westen kennen das Wort, wie Aries sagt, v.a. im Zusammenhang mit den übernatürlichen Fähigkeiten, die ein Yogi durch die Praxis des Yoga erlangen soll. Die Idee dahinter ist, dass ein Yogi, v.a. durch seine Askese und Enthaltsamkeit, jede Menge Kraft entwickelt und aufspeichert, so dass seine Macht sogar grösser als jene der Götter werden kann. Es gibt unzählige Geschichten von vollendeten Yogis und ihren Kräften.

Diese Vorstellung von "Wunderkräften", die durch die hingebungsvolle spirituelle Praxis erwachsen, ist natürlich nicht auf Indien beschränkt: Auch im Westen hat man Mystikern, Mönchen und Priestern teils solche Kräfte nachgesagt - wie es auch Tom Kenyon berichtet. In Indien wurden diese Kräfte aber sehr detailliert aufgelistet, unterschieden, zusammengefasst und eingeordnet.

Es gibt die gewöhnlichen (oder niederen) und die höheren Siddhis. Je nach Autor variieren die Zuordnungen, mir leuchtet die Unterscheidung bei Tom Kenyon gut ein: Die gewöhnlichen Siddhis umfassen Hellsichtigkeit, Hellhörigkeit, Feinfühligkeit und spontanes inneres Wissen - es sind also v.a. feine subjektive Wahrnehmungen. Viele von uns haben bereits Erfahrungen mit diesen Arten von Siddhis.

Die höheren Siddhis dagegen wirken den physikalischen Gesetzen entgegen: Levitation, Teleportation und das Sein und Handeln an zwei verschiedenen Orten zugleich.

Kenyon bespricht auch die bekannten problematischen Dimensionen der Siddhis: Man kann sich hier leicht verstricken, sie zu persönlichen Zwecken missbrauchen und dadurch erneut karmische Last aneignen - so dass man sich fragen muss, ob es überhaupt erstrsebenswert ist, diese Siddhis zu erlangen.

#3 Re: Mouches Volantes und Siddhis? von Floco 26.12.2008 20:26

Für mich macht es durchaus Sinn, MV als Erscheinungen von Siddhi zu verstehen. MV und anderen aussergewöhnliche subjektive visuelle Erscheinungen wären demnach ein Anzeichen, dass wir bereits einige einfachere Kräfte entwickelt haben.

Nun werden aber viele sagen, dass sie MV sehen, auch ohne vorher Yoga oder spirituelle Übungen gemacht zu haben. Meine Antwort darauf ist, dass Bewusstseinsentwicklung dauernd stattfindet, rein durch unsere Lebenserfahrungen. Gezielte spirituelle Übungen beschleunigen diesen Prozess einfach. Auch Kenyon teilt diese Ansicht: er nennt die Siddhis ein natürliches Erbe der Menschen, die sich genau dann manifestieren, wenn wir die entsprechenden Entwicklungen und Erfahrungen dazu durchgemacht haben – mit oder ohne spirituelle Übungen.

Zudem finde ich es sinnvoll, MV (und andere subjektive Erscheinungen) als Siddhi-Erscheinung zu nennen, weil – wie Kenyon richtig sagt – vielen Leuten dadurch die Gelegenheit geboten wird, subjektive visuelle Erscheinungen in einem spirituellen Sinn zu interpretieren.

Gut finde ich auch Kenyons Hinweis, dass Erscheinungen von Siddhi nicht automatisch zum Glück verhelfen – und das gilt auch für MV: sie sind ein Ausdruck unseres Bewusstseins. Als solcher können sie uns erfreuen, uns gleichgültig sein oder uns betrüben. Bei Leuten mit MV lassen sich alle diese Arten von Reaktion beobachten.

Das gilt auch für die Erleuchtung: Siddhi zu besitzen bedeutet nicht unbedingt, erleuchtet zu sein. Es bedeutet zunächst einfach nur, diese entsprechende Kraft zu haben und sie zu offenbaren. Dasselbe trifft für die MV zu: Sie zu sehen macht uns noch nicht zu Erleuchteten; sie zu sehen bedeutet einfach, dass wir die Kraft und Fähigkeit haben, sie eben zu sehen. Erst dadurch, dass wir sie immer wieder beobachten, in verschiedenen Bewusstseinszuständen verschieden sehen, dass wir sie meditativ und kreativ nutzen – erst dies führt zur Interpretation, dass es sich um ein spirituelles Phänomen handelt, und dass unser Bewusstsein entsprechend erweitert ist.


Auf der anderen Seite widerstrebt es mir, das Sehen von MV als Siddhi zu bezeichnen. Zwar hat Kenyon ein gutes und offenes Verständnis von Siddhis. Aber so, wie Siddhis allg. beschrieben werden, sind sie eher „Nebenprodukte“ der spirituellen oder Lebenspraxis. Geistige Spielzeuge, mit denen man Menschen beeindrucken kann, mehr nicht. MV sind für mich aber mehr: Sie sind nicht nur Produkt, sondern auch Werkzeug der spirituellen Entwicklung, sie sind ein Meditationsobjekt.

Hier stellt sich die allg. Frage, was denn nun das spirituelle Ziel ist: Soll ich Kräfte entwickeln, um diese zu offenbaren und damit andere Menschen (positiv oder negativ) zu beeinflussen? Oder reicht es schon, wenn wir wunsch-, absichts- und gedankenlos präsent sein können? Soll ist mit meiner siddhi-kräfte-geladenen Absicht die Welt verbessern, oder reicht es, wenn ich durch meine Ekstase absichtslos das Bild als Ganzes zum Leuchten bringe?

#4 Re[2]: Mouches Volantes und Siddhis? von aries 07.01.2009 12:02

Hallo Floco!

Zuerst mal ein tolles, magisches neues Jahr! (2009 = Ziffernsumme 11, bzw 2; numerologisch betrachtet ein interessantes Jahr!)


Floco>so, wie Siddhis allg. beschrieben werden, sind sie eher „Nebenprodukte“ der spirituellen oder Lebenspraxis. Geistige Spielzeuge, mit denen man Menschen beeindrucken kann, mehr nicht. MV sind für mich aber mehr: Sie sind nicht nur Produkt, sondern auch Werkzeug der spirituellen Entwicklung, sie sind ein Meditationsobjekt.

Das sind für mich auch die Siddhis - Hellsichtigkeit, Feinfühligkeit und Hellhörigkeit sind Eigenschaften, die man als Werkzeug einsetzen kann und die die Wahrnehmung deutlich steigern. Benutzt man Siddhis um andere zu beeindrucken, ist das für mich ein Mißbrauch dessen, aber niemals Ziel. Da ist dann das Ego aktiv, das beeindrucken will - und zeigt dass der Ausübende hier sein Bewußtsein noch entwickeln sollte. MV sind für mich mehr eine Erscheinung, ein "Nebenprodukt" der persönlichen spirituellen Entwicklung des Bewußtseins - das auch seinen Einsatz als Werkzeug finden kann, wenn der Betroffene das möchte.

Natürlich klingt das faszinierend, wenn man zb Hellsichtigkeit entwickelt - doch mit änderndem Bewußtsein war ich auch mit einem anderen Zugang dazu konfrontiert - das Bedürfnis, dies zu demonstrieren, ist verschwunden, da ich meiner Verantwortung damit bewußt wurde.

Auch die Fähigkeit, zb das Wetter zu seinen Gunsten zu beeinflußen ist anfangs faszinierend, doch wenn man die Auswirkungen dessen berücksichtigt, erkennt man dass man eigentlich hier nicht eingreifen sollte - ausser um drohenden Schaden abzuwenden.


Floco>Hier stellt sich die allg. Frage, was denn nun das spirituelle Ziel ist: Soll ich Kräfte entwickeln, um diese zu offenbaren und damit andere Menschen (positiv oder negativ) zu beeinflussen? Oder reicht es schon, wenn wir wunsch-, absichts- und gedankenlos präsent sein können? Soll ist mit meiner siddhi-kräfte-geladenen Absicht die Welt verbessern, oder reicht es, wenn ich durch meine Ekstase absichtslos das Bild als Ganzes zum Leuchten bringe?

Das Erscheinen dieser Kräfte ist niemals Ziel einer spirituellen Entwicklung. Das Ziel eines Tischlers ist zb ein Tisch - nicht die Hobel oder der Hammer. Für mich reicht es zu wissen, dass die MV mit Bewußtseinsentwicklung in Zusammenhang stehen, doch meine Aufmerksamkeit richtet sich auf mein Leben und wie ich es lebe, was ich lerne und wie ich neue Erkenntnisse und Fähigkeiten zielführend einsetzen kann, um mir und anderen zu dienen. *** Den Weg zurück zu meinem Ursprung in voller Bewußtheit zu finden, um meine Aufgabe zu erfüllen weswegen ich mir dieses Leben ausgesucht habe. Im Rahmen der bewußten spirituellen Entwicklung will ich in erster Linie meine mir zur Verfügung stehende Energie kultivieren, aufbauen und stärken damit ich sie für meine volle Aufmerksamkeit zur Verfügung habe. Das dadurch auch Siddhis sich einstellen oder die MV sichtbarer werden, ist eine Begleiterscheinung, die ich nutzen kann oder auch nicht - je nachdem was gerade die Herausforderung ist.




*** Addendum: ich fand Passagen in deinem Buch lustig, in denen du deine Reaktionen und Emotionen hinsichtlich der Kommentare und Interatktion mit Nestor und den anderen Sehern wie dem Denker oder der Kräuterfrau (? sorry vergessen wie du sie nanntest). Genau das ist für mich die Essenz der Story, des Lebens und der Bewußtseinsentwicklung: das Ego, das beleidigt ist, aggressiv wird, die Flucht ergreift, Machtspiele initiiert, Anerkennung sucht ... dies zu erkennen, für sich zu stoppen und in der eigenen Mitte bleiben, sich ehrlich mit allen Goodies und seinem Dreck zu kennen, sich zu akzeptieren und sich zu lieben so wie man ist. Alle Muster zu entfernen, die das verhindern, den Dreck zu sehen, aufzugreifen und in was schönes zu transformieren. Altes Karma zu lösen und so Schritt für Schritt den Weg in die Freiheit zu finden und zu gehen.
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